Die schwache internationale Konjunkturlage hat auch Folgen auf den österreichischen Arbeitsmarkt. Das Arbeitsmarktservice verzeichnet Ende Mai 2013 einen Anstieg an Arbeitslosen um 20.818 bzw. +9,0 Prozent auf 251.895. Inklusive der Personen in Schulungsmaßnahmen nimmt die Zahl der Vorgemerkten um 28.594 bzw. 9,5 Prozent zu. Die Arbeitslosenquote liegt in Österreich im Mai bei 4,9 Prozent und ist damit seit über zwei Jahren die niedrigste in der EU. Eine ähnlich gute Position nimmt Österreich bei Jugendarbeitslosigkeit ein, hier beträgt die Quote 8,0 Prozent; das ist hinter Deutschland (7,5 Prozent) die zweitniedrigste Jugendarbeitslosigkeitsrate. Die Gesamtzahl der aktiv Beschäftigten ist wie in den Monaten zuvor weiter ansteigend und hat mit 26.000 Personen gegenüber dem Vorjahr zugenommen und beträgt nun knapp 3,4 Millionen Personen.
Der Hauptgrund für die anhaltend steigende Arbeitslosigkeit bleibt nach wie vor die schwache gesamteuropäische Konjunkturlage. In der Folge kämpfen vor allem die exportorientierten Betriebe mit Nachfrageausfällen. Besonders betroffen bleibt der Metallbereich sowie der Fahrzeug- und Maschinenbau. Die Arbeitslosigkeit nimmt in der gesamten Warenproduktion um 10,7 Prozent bzw. 2.312 zu. Damit eng verbunden ist auch die um +1.736 bzw. +6,9 Prozent steigende Arbeitslosigkeit in der Arbeitskräfteüberlassung. Besonders stark trägt auch in diesem Monat wieder die Bauwirtschaft zum Anstieg der Arbeitslosigkeit bei. In dieser Branche beträgt die Zunahme der Vorgemerkten +15,3 Prozent bzw. 2.355 Personen.
In Summe bleiben damit die männerdominierten Branchen besonders stark betroffen. Dementsprechend stärker steigt die Arbeitslosigkeit von Männern mit 10,9 Prozent bzw. +13.506, die Zahl der vorgemerkten Frauen nimmt mit +7.312 bzw. +6,8 Prozent zu. Mitunter branchenbedingt erklärt sich auch die überdurchschnittlich starke Zunahme der Arbeitslosigkeit von AusländerInnen (+15,9 Prozent bzw. +7.892). Regional steigt gegenwärtig die Arbeitslosigkeit mit +15,7 Prozent am stärksten in Oberösterreich gefolgt von Kärnten mit +14,7 Prozent und dem Burgenland mit +12,0 Prozent. Die geringste Zunahme verzeichnet Vorarlberg mit +3,8 Prozent. Unter dem Durchschnitt liegen auch noch Wien mit +6,1 Prozent, Tirol +7,7 Prozent und Niederösterreich mit +8,5 Prozent.
Der vor allem auf Grund der starken Geburtenjahrgänge weiter anhaltende Anstieg der Arbeitslosigkeit von Personen ab 50 beträgt Ende Mai +13,9 Prozent oder +7.525. Bei den Jugendlichen bleibt hingegen die Zunahme der vorgemerkten Arbeitslosen mit 6,0 Prozent bzw. 2.090 Personen deutlich niedriger. Mit einem Minus von 200 Personen bzw. 2,9 Prozent bleibt allein bei den Jüngsten am Arbeitsmarkt - den 15 bis 19-Jährigen - die Arbeitslosigkeit nach wie vor rückläufig. Aber der Eintritt in den Arbeitsmarkt dürfte auch hier heuer härter werden. So liegt die Zahl der gemeldeten offenen Lehrstellen gegenwärtig um 12,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau und die Zahl der Lehrstellensuchenden steigt um 112 bzw. +2,7 Prozent.
Nach jüngsten Arbeitsmarktdaten ist Österreich derzeit zweifacher Europameister: Sowohl bei der Gesamtarbeitslosigkeit, als auch bei der Jugendarbeitslosigkeit. Die Arbeitslosenquote für Österreich nach EUROSTAT beträgt 4,7 Prozent (Jugend: 7,6 %), dieser Wert liegt international mit Abstand an erster Stelle und beträgt nicht einmal die Hälfte des europäischen Durchschnitts. Dennoch kann sich der österreichische Arbeitsmarkt nicht von der anhaltenden internationalen Wirtschaftsflaute abkoppeln. Obwohl die Zahl der Arbeitsplätze in Österreich im Jahresabstand um 22.000 zugenommen hat, stieg parallel dazu die Arbeitslosigkeit. Die Zahl der Jobsuchenden stieg im April gegenüber dem Vorjahr um 21.298 um 8,5 Prozent auf 273.121. Die Zahl der vom Arbeitsmarktservice geförderten Schulungsteilnehmer/innen lag mit 79.999 um 10.005 bzw. 14,3 Prozent über dem Vorjahreswert.
Nach Branchen betrachtet stieg die Arbeitslosigkeit um 1.607 bzw. 6,0 Prozent in der Arbeitskräfteüberlassung und um 2.784 bzw. 14,5 Prozent in der Bauwirtschaft. In Summe gerieten damit die "männerdominierten" Bereiche besonders stark unter Druck. In der Folge sind mit +14.166 bzw. +10,4 Prozent zwei Drittel der Arbeitslosenanstiegs auf Männer zurückzuführen. Die Zahl der arbeitslosen Frauen stieg um 7.132 bzw. 6,2 Prozent. Hier war es unter anderem der Tourismus, der nach dem Ende der Wintersaison für steigende Arbeitslosigkeit verantwortlich zeichnete. Aber auch in Branchen überdurchschnittlicher Arbeitskräftefluktuation, wie im Reinigungsgewerbe, im Handel und teilweise auch im Gesundheits- und Sozialbereich nahm die Arbeitslosigkeit weiter zu.
Die steigende Zahl von älteren Arbeitskräften sorgt dafür, dass der gegenwärtige Beschäftigungsanstieg auf die Generation 50+ zurückzuführen ist. Allerdings ist auch in dieser Altersgruppe ein Anstieg der Arbeitslosigkeit um +12,7 Prozent bzw. +7.353 zu verzeichnen. Die Zahl der Lehrstellensuchenden liegt Ende April um 6,5 Prozent bzw. -296 unter dem vergleichbaren Vorjahreswert. Allerdings zeigt auch die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe rückläufige Tendenzen. So sind beim Arbeitsmarktservice mit 3.367 um 9,3 Prozent weniger Lehrstellen gemeldet als noch ein Jahr zuvor. Die Zunahme der Arbeitslosigkeit von Personen unter 25 Jahren liegt mit +5,1 Prozent bzw. +1.988 unter dem Durchschnitt. Bei den 15-19jährigen sinkt die Arbeitslosigkeit nach wie vor um 3,2 Prozent bzw. 248 Personen.
Vom Programm „Reife Leistung“ sollen bis Ende 2014 5.000 Menschen profitieren
Nach jüngsten Arbeitsmarktdaten ist Österreich derzeit zweifacher Europameister: Sowohl bei der Gesamtarbeitslosigkeit, als auch bei der Jugendarbeitslosigkeit. Darauf wolle man sich nicht ausruhen, sondern weiter intensiv an neuen Angeboten für Arbeitsuchende arbeiten, so Johannes Kopf, Vorstand des Arbeitsmarktservice (AMS). Ab sofort startet das AMS daher mit einem neuen Paket zur Förderungen von Älteren am Arbeitsmarkt. Das Programm „ Reife Leistung“ setzt an zwei Punkten an: Über Eingliederungsbeihilfen bietet das AMS älteren Arbeitslosen und gesundheitlich eingeschränkten Menschen einerseits nachhaltige Beschäftigungsmöglichkeiten und andererseits – vorerst als Pilotprojekt in Wien - Unterstützung bei der nachhaltigen Integration am Arbeitsplatz durch eigene Arbeitsplatz-Coaches. Zielgruppe des Programms „Reife Leistung“ sind arbeitslose Personen ab 50 und gesundheitlich eingeschränkte Personen. Für die Beschäftigung dieser Personengruppe wird Unternehmen vom AMS bis zu einem Jahr lang die Hälfte der Lohnkosten und Lohnnebenkosten ersetzt, Non-Profit-Unternehmen erhalten zwei Drittel. Vom Programm sollen insgesamt 5.000 Menschen profitieren, bis Ende 2014 stellt das AMS dafür 40 Millionen Euro zur Verfügung.