Überbrückungshilfe für schwierige Lebensphasen und Sprungbrett in den Arbeitsmarkt
Am 1. September 2010 wurde in ganz Niederösterreich die Sozialhilfe von der Bedarfsorientierten Mindestsicherung abgelöst. Zwanzig Monate seit deren Einführung nehmen Soziallandesrätin Mag.a Karin Scheele und der Geschäftsführer des AMS NÖ, Mag. Karl Fakler, zum Anlass für eine Bestandsaufnahme. In einer gemeinsamen Pressekonferenz am Donnerstag, dem 3. Mai, ziehen sie eine überwiegend positive Bilanz.
„Die Umstellung auf die Bedarfsorientierte Mindestsicherung erfolgte ausgesprochen gut, sehr rasch und ohne größere Komplikationen. Die Zusammenarbeit zwischen Land, Bezirksverwaltungsbehörden, Gemeinden und dem AMS Niederösterreich funktioniert bestens“, so Landesrätin Scheele. Auch AMS-Landesgeschäftsführer Fakler bestätigt einen problemlosen Übergang: „Mit der Einführung der Mindestsicherung hat sich der Kreis der arbeitslosen AMS-Kundinnen und Kunden natürlich erweitert, aber keinesfalls dramatisch. Das AMS war für die neue Zielgruppe gerüstet und rasch aktiv.“
Und diese Zielgruppe gliedert sich in Niederösterreich folgendermaßen auf: Im März 2012 haben insgesamt 5.791 Haushalte Mindestsicherung bezogen. Die Höhe der Mindestsicherung entspricht in Niederösterreich dieses Jahr € 773,26 pro Monat für Alleinstehende bzw. AlleinerzieherInnen und für (Ehe-)Paare € 1.159,90. Aufgrund der unterschiedlichen Auszahlungsmodalitäten lassen sich die Zahlen der ehemaligen Sozialhilfe und der Mindestsicherung nur sehr schwer vergleichen. Am ehesten repräsentativ erscheint daher für Soziallandesrätin Scheele eine Zusammenschau der Kosten: „Im letzten vollen Jahr der Sozialhilfe 2009 hat das Land Niederösterreich für die Hilfe zum Lebensunterhalt rund 32,4 Millionen Euro ausgegeben. Im ersten vollen Jahr der Mindestsicherung 2011 waren dies etwa 38,8 Millionen. Das entspricht der erwarteten Steigerung von 20 Prozent.“
Über einem Viertel der MindestsicherungsbezieherInnen, etwa 1800 Personen gelang im letzten Jahr der Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt. Ingesamt wurden im Jahr 2011 für 2.719 Personen eine oder mehrere AMS-Beihilfen finanziert, das sind knapp 40 Prozent aller Betroffenen. Dazu AMS-Geschäftsführer Karl Fakler im Detail: „Die Einführung der Mindestsicherung rückte diese Personengruppe vom Rand des Arbeitsmarktes in den Fokus des AMS und seiner arbeitsmarktpolitischen Aktivitäten. Und das mit großem Erfolg, denn seit September 2010 gelang 2.465 niederösterreichischen MindestsicherungsbezieherInnen der Einstieg bzw. Wiedereinstieg ins Erwerbsleben. Die Bedarfsorientierte Mindestsicherung kann daher zu Recht als Sprungbrett in den Arbeitsmarkt bezeichnet werden.“ Und Geschäftsführer Fakler kann auch mit aktuellen Zahlen aufwarten: „Im ersten Quartal 2012 bezogen 5,2 Prozent aller Arbeitslosen in Niederösterreich Mindestsicherung, im März waren dies 4.137 unserer arbeitssuchenden KundInnen. 461 Personen gelang von Jänner bis März der berufliche Wiedereinstieg.“
Um die Integration in den Arbeitsmarkt zu erleichtern, stehen arbeitsuchenden MindestsicherungsbezieherInnen grundsätzlich sämtliche AMS-Förderangebote zur Verfügung. Darüber hinaus bemüht sich das AMS in Kooperation mit dem Land Niederösterreich auch mit eigenen Projekten um zusätzliche Unterstützung. Dazu gehört unter anderem „Case Management“, ein besonderes Beratungsangebot, das 2011 im Süden Niederösterreichs pilotiert wurde und 2012 in ganz Niederösterreich umgesetzt wird. Soziallandesrätin Karin Scheele berichtet: „165 AMS-KundInnen, die die Mindestsicherung beziehen, haben im letzten Jahr dieses Angebot genutzt. Im Jahr 2012 wird insgesamt 790 MindestsicherungsbezieherInnen dieses Beratungsangebot zu Gute kommen.“
Mit FAIRnetzt bietet das AMS, so Landesgeschäftsführer Fakler, spezielle Kurse bei zwölf niederösterreichischen Integrationsbetrieben für MindestsicherungsbezieherInnen an: „Mit Arbeitstraining, Personalentwicklung und sozialpädagogischer Betreuung soll es gelingen, Bildungsbarrieren zu senken und Qualifizierung zu ermöglichen, um so die FAIRnetzt-TeilnehmerInnen auf den beruflichen Wiedereinstieg vorzubereiten.“ 150 MindestsicherungsbezieherInnen haben 2011 an FAIRnetzt teilgenommen. Heuer sind Plätze für 220 TeilnehmerInnen vorgesehen.
Die Wirtschaft befindet sich im Euro-Raum in einer Rezession. Ab Jahresmitte dürfte die Konjunktur jedoch wieder Tritt fassen. Allerdings wird die Dynamik angesichts der Sparbemühungen in den öffentlichen Haushalten verhalten bleiben.
Die Arbeitsmarktlage ist geprägt von einem nach wie vor hohen Beschäftigungsniveau, aber auch von einem neuerlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit, wobei die Bausaison (plus 15,5% mehr Arbeitslose als im Vorjahr) nach dem späten Ende der Kälteperiode in NÖ nur schleppend anläuft und nicht die erhoffte Entspannung brachte. Aber auch im Metall- und Elektrobereich (+11,4%) und auch im Fremdenverkehr (+8,3%) zeigen sich die Folgen der Konjunkturabschwächung. Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen sank um 18% bzw. -908 auf 4.096.
Insgesamt waren beim AMS Niederösterreich Ende April 40.127 Arbeitslose vorgemerkt, das sind um 3.211 (od. 8,7%) mehr als im Vorjahr, aber um 6.233 (od. -13,4%) weniger als im Vormonat, wobei die Arbeitslosigkeit bei den Männern stärker ansteigt (10,4%) als bei den Frauen (6,6%). „Erfreulich ist, dass die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen im Alter von 15-19 Jahre mit 1.201 gegenüber dem Vorjahr weiterhin deutlich zurückgeht (-10,3%) und auch die Zahl der sofort verfügbaren lehrstellensuchenden Jugendlichen nach wie vor abnimmt (-8,4%), wogegen die Zahl der sofort verfügbaren Lehrstellen um 5% steigt“, analysiert AMS NÖ-Chef Karl Fakler die aktuelle Arbeitsmarktlage.
Der größte Anstieg der Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahr ist bei den über 50-Jährigen (1.186 od. 12,7%) sowie bei den AusländerInnen (1.107 od. 21,9%) zu verzeichnen. Leicht rückläufig ist hingegen (noch) die Langzeitarbeitslosigkeit: So lag die Zahl der Arbeitslosen, die ein Jahr und länger vorgemerkt sind, Ende April um 4% unter dem Wert des Vorjahres.
Mädchen entdecken handwerklich-technische Ausbildungen und Berufe
„Viele Frauen und Mädchen haben Talent und Potenzial für handwerkliche und technische Ausbildungen und Berufe. Sie nehmen sie nur zu wenig wahr bzw. sind sie zu wenig über die Möglichkeiten informiert. Im Rahmen der Girls’ Day-Initiative haben Mädchen Gelegenheit, spannende Berufe hautnah in Unternehmen kennenzulernen“, betont Karl Fakler, Landesgeschäftsführer des Arbeitsmarktservice (AMS) NÖ. Die Initiative „Girls’ Day“, die gemeinsam vom Land NÖ, der Wirtschaftskammer, der Industriellenvereinigung und dem AMS NÖ getragen wird, soll Mädchen ermutigen, sich vermehrt für handwerklich-technische Ausbildungen und Berufe zu entscheiden.
Frauen sind in technisch-handwerklichen Berufen stark unterrepräsentiert. „Die Ursachen dafür sind vielfältig und beginnen schon im Kindesalter. Zum AMS kommen junge Frauen sehr oft mit eingeschränkten Ausbildungs- und Berufsvorstellungen. Mit dem FiT-Programm des AMS (FiT = Frauen in Handwerk und Technik) und den Mädchen-Techniktagen in den BerufsInfoZentren (BIZ) und AMS-Geschäftsstellen bieten wir Frauen attraktive Sprungbretter in Berufe, die bislang noch überwiegend von Männern ausgeübt werden“, so Karl Fakler über den Beitrag des AMS zur Förderung der Frauen und Mädchen am Arbeitsmarkt.
Obwohl die Erwerbsbeteiligung der Niederösterreicherinnen in den letzten Jahren gestiegen ist und im Jahr 2010 mit 72,9% über dem Österreichschnitt (70,0%) liegt, sind Frauen weiterhin schlechter in den Arbeitsmarkt integriert als Männer (NÖ: 77,4%; Ö-Schnitt: 75,6%; Daten: Statistik Austria). Frauen sind in handwerklich-technischen Berufen weiterhin stark unterrepräsentiert. Zum Beispiel lag der Anteil der weiblichen Lehrlinge in der Sparte Industrie (1. bis 4. Lehrjahr) im letzten Jahr bei 9,2% (228 junge Frauen von in Summe 2.487 Lehrlingen in der Industrie). Auch von den 9.286 Lehrlingen in der Sparte Gewerbe und Handwerk sind nur 15,5% junge Frauen. „Gerade aber in handwerklich-technischen Bereichen besteht weiterhin Bedarf an Fachkräften. So entfällt fast ein Viertel des aktuellen (März 2012) Stellen- und Lehrstellenangebotes des AMS NÖ auf Metall- und Elektroberufe (869 (Lehr-)Stellen von gesamt 3.654)“, weiß der AMS NÖ-Chef.
Nicht nur die Jobaussichten sind in diesen Berufsbereichen sehr gut, auch die Einkommen sind hoch. Laut einer Auswertung der Arbeitskammer NÖ lag das Medianeinkommen der niederösterreichischen Frauen 2010 mit einem monatlichen Bruttoeinkommen von 1.418,- € um 727,- € unter dem der Männer. Denn viele der Berufe, die von Frauen ausgeübt werden, sind niedriger entlohnt und bieten seltener Aufstiegs- und Weiterentwicklungschancen. Dementsprechend ist auch das Arbeitslosengeld bei Frauen niedriger: Der durchschnittliche Tagsatz für Frauen lag im Jahr 2011 bei 24,9 €, bei Männern bei 30,3 €.
Angebote des AMS zur Förderung von Frauen in Handwerk und Technik
Um einen erfolgreichen und vor allem einen zukunftsträchtigen (Wieder-)Einstieg in das Erwerbsleben zu sichern, hält das AMS NÖ in diesem Jahr besondere Angebote für Frauen und Mädchen bereit:
• Mädchentechniktage in den AMS BerufsInfoZentren (BIZ) und AMS-Geschäftsstellen:
Das Arbeitsmarktservice bietet heuer wieder in allen BIZ sowie auf den Schul- und BerufsInfoMessen spezielle Workshops für Schülerinnen an. Die Mädchen haben Gelegenheit, ihre Talente und Neigungen rund um Handwerk
und Technik auszuloten. In Kooperation mit dem Verein Sunwork und dem Institut für Ausbildung und Beschäftigung (IAB) werden eigene kleine Werktische eingerichtet. Die Schülerinnen feilen, löten, arbeiten mit Kunststoff und
Holz. „Diese Workshops sind ein wichtiger Impuls für Mädchen, ihr Interesse zu wecken und ihnen auch andere Berufsmöglichkeiten aufzuzeigen“, so Karl Fakler. Rund 800 niederösterreichische Mädchen können heuer dieses
Angebot nutzen.
• FiT-Programm – Ausbildungen für arbeitsuchende Frauen in Handwerk und Technik:
Dieses AMS-Angebot gilt für alle arbeitsuchenden Frauen, die einen beruflichen Neubeginn im Bereich Handwerk und Technik planen. „Wir bieten attraktive Sprungbretter in Berufe, die bislang noch überwiegend von Männern
ausgeübt werden. Damit leistet das AMS NÖ einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung der Einkommensnachteile von Frauen und der geschlechtsspezifischen Segregation am Arbeitsmarkt“, erklärt AMS NÖ-Chef Karl Fakler.
Das Programm FiT – Frauen in Handwerk und Technik – beinhaltet ein umfassendes und auf den individuellen Bedarf ausgerichtetes Beratungs- und Kursangebot mit dem Ziel, Frauen eine Ausbildung bis hin zum Lehrabschluss in einem handwerklich-technischen Bereich oder sogar ein entsprechendes Fachhochschulstudium zu ermöglichen. Im Jahr 2012 stehen 1.620 Kursplätze im FiT-Programm zur Verfügung. Für über 400 arbeitslose Niederösterreicherinnen wird das AMS in diesem Jahr die Ausbildung in einem handwerklich-technischen Lehrberuf oder eine Facharbeiterinnen-Intensivausbildung finanzieren.
Im Vorjahr haben 781 Niederösterreicherinnen an FiT-Kursen teilgenommen und spätestens drei Monate nach Ende der Qualifizierung einen entsprechenden Arbeitsplatz gefunden. Darüber hinaus haben 393 Frauen eine technisch-handwerkliche Lehrausbildung oder höhere Ausbildung mit Abschluss absolviert (oder nehmen noch daran teil).
Rückfragehinweis für die Redaktion: AMS NÖ, Martina Fischlmayr: 01/531 36-140