Gut gerüstet für wirtschaftliche Herausforderung der Zukunft
Das Arbeitsmarktservice (AMS) NÖ unterstützt Unternehmen, die auf berufliche wie persönliche Fitness ihrer MitarbeiterInnen setzen. Aus- und Weiterbildung sowie Alters- und Generationenmanagement stehen im Zentrum der innerbetrieblichen Personalentwicklung. Eine besonders effiziente Form, dieses Vorhaben umzusetzen, ist der Zusammenschluss mehrerer Unternehmen, die zusätzlich vom Austausch über den eigenen Betrieb hinaus profitieren. Diese Qualifizierungsverbünde werden vom AMS und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziell unterstützt. – So auch der Qualifizierungsverbund des Kremser Wirtschaftsbeirates, an dem acht Betriebe aus der Region teilgenommen haben. In den Jahren 2010 und 2011 wurden rund 500 ArbeitbnehmerInnen geschult. Nun steht der Qualifizierungsverbund des Kremser Wirtschaftsbeirates vor einer weiteren Auflage mit insgesamt zwölf Unternehmen. AMS NÖ-Landesgeschäftsführer Karl Fakler, der Chef des Kremser Wirtschaftsbeirates, Walter Stiefler, sowie der Kemira EHSQ-Manager Ewald Krenn und Prokurist Karl Wilhelm von BIS Chemserv ziehen eine erfolgreiche Bilanz und geben einen Ausblick auf den neuen Verbund.
Im Jahr 2011 hat das AMS NÖ die Aus- und Weiterbildung von 10.284 niederösterreichischen Beschäftigten unterstützt. Rund 3,8 Millionen Euro – die Hälfte davon stammt aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) – wurden dafür aufgewendet. Die finanziellen Mittel können – mit wenigen Ausnahmen – von allen ArbeitgeberInnen in Niederösterreich lukriert werden, wenn sie ihren MitarbeiterInnen eine arbeitsmarktorientierte und überbetrieblich verwertbare Aus- und Weiterbildung ermöglichen. „Lebensbegleitendes Lernen“ und „Productive Ageing“ sowie gesundheitsfördernde Aktivitäten stehen im Brennpunkt der Qualifizierungsförderungen. Die Schulungen sind in ein Gesamtkonzept eingebettet, das Aktivitäten zum Erhalt und Förderung der Arbeitsfähigkeit der MitarbeiterInnen beinhaltet (Bsp.: Führungskräftetraining zum Alters- und Generationenmanagement).
AMS NÖ-Chef Karl Fakler zu den Vorteilen dieses Modells: „Betriebe erhalten so ihr innerbetriebliches Wissens- und Erfolgspotenzial und bauen es aus. Vor allem zwischen Generationen, denn der Wissenstransfer zwischen den erfahrenen Älteren und den Jungen mit neuen Ideen wird sichergestellt. Mit der Förderung durch das AMS reduzieren die Unternehmen nicht nur Kosten bei aktuell anstehenden Personalentwicklungsmaßnahmen, sondern senken auch langfristig Kosten, zum Beispiel bei der Aufnahme von neuen MitarbeiterInnen.“
Im Fokus der AMS-Förderung stehen Beschäftigte (beiderlei Geschlechts) im Alter ab 45 Jahren sowie Frauen, die höchstens eine Lehr- oder mittlere Schulausbildung haben. Im Jahr 2011 hat der Anteil der Frauen an allen niederösterreichischen Beschäftigten, deren innerbetriebliche Aus- und Weiterbildung durch das AMS finanziert wurde, 60% betragen. 45% aller Geförderten waren älter als 45 Jahre.
Qualifizierungsverbund Kremser Wirtschaftsbeirat: 478 TeilnehmerInnen, 389 vom AMS gefördert
Bei einem Qualifizierungsverbund schließen sich mehrerer Betriebe zusammen, um gemeinsam maßgeschneiderte Bildungs- und gesundheitsfördernde Programme für ihre MitarbeiterInnen zu planen und durchzuführen. Für den professionellen Aufbau eines Verbundes stellt das AMS NÖ den teilnehmenden Unternehmen ein externes Unternehmensberatungsinstitut zur Seite und finanziert bis zu fünf Beratungstage pro Betrieb.
So geschah dies auch bei Verbund des Kremser Wirtschaftsbeirates. In den Jahren 2010 bis 2011 wurden 478 ArbeitnehmerInnen aus acht namhaften Betrieben zu 20 verschiedenen Themen geschult. Für 389 Beschäftigte hat das AMS die Qualifizierung gefördert. Die Kosten für das AMS und den ESF beliefen sich auch € 52.100,-.
• Die teilnehmenden Betriebe waren:
Kemira Chemie GmbH (Leitbetrieb), BIS Chemserv GmbH, Brantner Walter GmbH, ChemFreight Transport, Logistik & Waggonvermietung GmbH, Dynea Austria GmbH, Logwin Solutions Austria GmbH, Krems Chemie Chemical Services AG und Stiefler GmbH
• Zentrale Schulungsthemen:
Englischkurse in verschiedenen Niveaus, Office Schulungen, Nachwuchsführungskräftetrainings, Grundausbildung Sicherheitsvertrauensperson, Truppmannausbildung sowie aus dem Bereich Gesundheit: Erste Hilfe Kurs, Fitness für Körper und Geist oder gesunde Ernährung (vor allem für den Schichtdienst)
Begleitend zu den Schulungen wurden in den Unternehmen Altersstrukturanalysen durchgeführt. Zu den Themen Schichtplanung, Führung und betriebliche Gesundheitsvorsorge gab es einen regen Austausch über die betrieblichen Grenzen hinweg.
„Die gemeinsame Ausbildung in unserem Firmennetzwerk bringt viele Synergien mit sich. Nicht nur bei den Kosten, sondern auch durch das gemeinsame Lernen der MitarbeiterInnen zwischen den Verbundpartnern“, ist Walter Stiefler, Chef des Kremser Wirtschaftsbeirates überzeugt.
Im Jahr 2011 haben sich in Niederösterreich 669 Unternehmen zu insgesamt 74 Verbünden zusammengeschlossen. Sie wurden aus Mitteln des AMS und des ESF mit rund € 290.000,- finanziell unterstützt.
Neuer Verbund Kremser Wirtschaftsbeirates startet im Februar
Mit 16. Februar startet ein weiterer Qualifizierungsverbund des Kremser Wirtschaftsbeirates. Mit A Tec Holding GmbH, Franz Schütz GmbH, Fresenius Medical Care Adsorber Tec GmbH, Mierka Donauhafen Krems Gesellschaft m.b.H. & Co. KG und Penn GmbH sind fünf weitere bedeutende Unternehmen des Wirtschaftsraumes Krems mit an Bord.
Die geplanten Schulungen wurden um Themen wie Kranausbildungen, StaplerfahrerIn, SVP-Grundausbildung, Ausbildung für Beauftragte zur Ladungssicherung und für Gefahrengut sowie „Gefahren der Chemie“ erweitert. Die Schulungen werden bis Oktober 2012 durchgeführt. Das AMS und die Verbundpartner rechnen neuerlich mit rund 500 TeilnehmerInnen.
Im Rahmen des neuen Qualifizierungsverbundes sind gegenseitige Betriebsbesuche geplant sowie ein Austausch zu Themen wie Personalentwicklung, Umgang mit Krisen, betriebliche Gesundheitsvorsorge, Productive Ageing und Innovation.
Die Rolle des Leitbetriebes im neuen Verbund wird nach der Kemira Chemie nun die BIS Chemserv übernehmen.
Rückfragehinweis f. die Redaktion
AMS NÖ, Mag. Martina Fischlmayr Tel.: 01/531 36-140; 0664/83 50 517
Starker Anstieg des Arbeitskräfteangebots
Die Erholung der (nieder)österreichischen Wirtschaft nach der Rezession 2008/09 setzte sich im abgelaufenen Jahr zügig fort. Die gesamtwirtschaftliche Produktion expandierte bis zur Jahreshälfte sehr kräftig und erreichte im 1. Halbjahr wieder das Niveau vor der Krise. Ab der 2. Jahreshälfte schwächte sich die konjunkturelle Dynamik ab. In Summe prognostizieren WirtschaftsforscherInnen für das Jahr 2011 ein Wachstum von gut 3%.
Der niederösterreichische Arbeitsmarkt hat sich im Jahr 2011 deutlich besser entfaltet als prognostiziert. Das Angebot an Arbeitskräften hat sich äußerst expansiv entwickelt. Neben den guten Konjunkturaussichten war vor allem die Öffnung des heimischen Arbeitsmarktes aus acht neuen EU-Staaten für den ungewöhnlich starken Anstieg des Arbeitskräfteangebots verantwortlich.
Beschäftigung über dem Niveau des Rekordjahres 2008
Obwohl das Arbeitskräfteangebot 2011 außerordentlich stark ausgefallen ist, konnten die nö. Betriebe ausreichend Arbeitsplätze zur Verfügung stellen: So stieg die Zahl der unselbständig Beschäftigten in NÖ (sie beinhalten ab Jänner 2011 auch die Zahl der freien Dienstverträge, da diese in den vergangenen Jahren immer mehr den unselbständig Beschäftigten angeglichen wurden) im Jahresdurchschnitt 2011 um 9.153 (od. 1,6%) auf 573.305 an. Damit lag die Beschäftigung über dem Niveau des Rekordjahres von 2008 (mit 572.353 Beschäftigten). Im Durchschnitt entfielen zwei Drittel des Beschäftigtenzuwachses auf Männer (+5.952 od. 1,9%).
Erwartungsgemäß haben die BürgerInnen der neuen EU-Mitgliedsstaaten, für die ab Mai 2011 die Freizügigkeit am Arbeitsmarkt galt, die gute Konjunktur genutzt, um eine Beschäftigung in NÖ aufzunehmen. Acht Monate nach dem Ende der Übergangsbestimmungen waren in NÖ 19.000 Personen aus den neuen Mitgliedsstaaten in NÖ beschäftigt, das sind um 43,6% (oder +5.770) mehr als ein Jahr zuvor (davon Liberalisierungseffekt: +4.445).
Grundlage für diese positive Beschäftigungsentwicklung war die offensichtlich gute Auftrags-lage in der Industrie, speziell im exportorientierten Produktionsbereich (und hier vor allem in der Metallerzeugung, elektrischen Ausrüstungen, Maschinenbau, Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen), aber auch im gesamten Baubereich. Insgesamt basierte der Beschäftigungszuwachs aber nach wie vor auf dem Dienstleistungssektor, vor allem im gesamten Handel, besonders in der Gastronomie, weiters bei der Unternehmensberatung, der Forschung und Entwicklung, bei der Gebäudereinigung und Sicherheitsdiensten sowie im Gesundheits- und Sozialwesen.
Deutlicher Rückgang der Arbeitslosigkeit
Obwohl das AMS NÖ die Schulungsangebote um 15% (abs.-1.751 Personen) zurückgenommen hat und das Arbeitskräfteangebot mit einem Plus von 7.736 (od. 1,3%) stark gestiegen ist, ist es gelungen, die Arbeitslosigkeit deutlich zu senken: Sowohl die Zugänge in die Arbeitslosigkeit (145.153, -6.161 od. -4,1%) als auch die Zahl der von Arbeitslosigkeit Betroffenen (136.433, -4.325 od. -3,1%) waren deutlich geringer als im Jahr 2010. Insgesamt nahm die Arbeitslosigkeit in NÖ im Jahr 2011 um 1.417 (od. -3,3%) auf 41.698 ab. Dieser Rückgang kam wie schon im Jahr 2010 ausschließlich Männern und (männlichen) Inländern zugute.
Die Arbeitslosenquote reduzierte sich gegenüber 2010 um -0,3%-Punkte und lag bei 6,8% (Ö: 6,7%; -0,2%-Punkte gegenüber 2010), wobei die Quote sowohl bei InländerInnen (-0,3%-Punkte auf 6,6%) als auch bei AusländerInnen (-0,7%-Punkte auf 8,2% infolge des großen Beschäftigtenanstieges von knapp 10%) zurückgegangen ist.
Die durchschnittliche Vormerkdauer konnte gegenüber 2010 von 122 auf 117 Tage verkürzt werden. Besonders bei den Jugendlichen (bis 24 Jahre) hat sich die Arbeitsmarktlage überdurchschnittlich verbessert (Rückgang der Arbeitslosigkeit um -4,9%).
Die Zahl der Langzeitarbeitslosen (>12 Monate) wurde gegenüber 2010 neuerlich deutlich gesenkt und zwar um -623 (od. -24,2%).
Im abgelaufenen Jahr ist 80.483 arbeitslosen NiederösterreicherInnen der Wiedereinstieg ins Erwerbsleben gelungen, genau zwei Drittel davon innerhalb von 3 Monaten.
Stellenangebot deutlich über dem Niveau des Jahres 2010
Im vergangenen Jahr konnte das AMS NÖ seine Geschäftsbeziehungen zu den niederösterreichischen Unternehmen weiter ausbauen: Den MitarbeiterInnen im Bereich Service für Unternehmen wurden Vermittlungsaufträge für insgesamt 61.587 (und 4.997 offene Lehrstellen) bekannt gegeben. Das ist ein Plus von 1.834 (od. 3,1%) gegenüber dem Jahr 2010 (offene Lehrstellen: 463 od. 10,2%).
Insgesamt konnten im abgelaufenen Jahr 52.713 offene Stellen mit einer Arbeitskraft besetzt werden, um 2.460 (od. 4,9%, Ö: 4,2%) mehr als im Jahr 2010. 39.842 der freien Stellen – das sind immerhin genau drei Viertel aller Stellenvermittlungen – wurden innerhalb eines Monats mit einer passenden Arbeitskraft besetzt (+3.210 od. 8,8% mehr als 2010).
Obwohl sich die Konjunktur im 3. Quartal neuerlich abgeschwächt und die Dynamik weiter nachgelassen hat, steht in Österreich kein abrupter Einbruch der Wirtschaftsleistung bevor. Gegen Jahresende verschlechterte sich die Einschätzung der künftigen Wirtschaftsentwicklung durch die Unternehmen nicht weiter, und auch die Entwicklung auf dem nö. Arbeitsmarkt ist als verhalten positiv zu beurteilen. So hielt die Beschäftigungsausweitung auch im letzten Quartal 2011 an: Im Oktober stieg die Zahl der unselbständig Beschäftigten in NÖ um 10.800 (od. 1,9%), im November um 10.000 (od. 1,8%) und im Dezember wird eine Erhöhung um ca. 11.000 (od. 2,1%) erwartet.
Arbeitslosigkeit sinkt um 1,6%
Insgesamt waren beim AMS Niederösterreich Ende Dezember 54.652 Arbeitslose vorgemerkt, das sind um 871 (od. -1,6%) weniger als im Vorjahr, wobei die Arbeitslosigkeit nur bei den Männern zurück geht (-3,6%), während sie bei den Frauen schon ansteigt (1,9%). „Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Bauarbeitslosigkeit durch eine gute Auslastung der Betriebe und durch den bisher milden Winter Ende Dezember deutlich geringer ausfällt als im Vorjahr (-10%). Somit schlagen sich die Turbulenzen der Finanzmärkte noch nicht auf den nö. Arbeitsmarkt durch“, analysiert AMS NÖ Vize-Chefin Marion Carmann die aktuellen Zahlen zum niederösterreichischen Arbeitsmarkt.
Darüber hinaus sinkt auch weiterhin die Zahl der AMS NÖ SchulungsteilnehmerInnen um 648 (od. -7,7%) auf derzeit 7.799. Insgesamt betrachtet ging somit die Zahl der arbeitslos Vorgemerkten inklusive der SchulungsteilnehmerInnen gegenüber dem Vorjahr um 1.519 (od. -2,4%) zurück.
Die Zahl der dem AMS Niederösterreich gemeldeten offenen Stellen bestätigt Ende Dezember sowohl mit einem Rückgang bei den Zugängen (um -11,2% auf 2.907) sowie beim Bestand (-10,4% auf 2.836) gegenüber dem Vorjahr den Beginn einer Verlangsamung der Wirtschaftsentwicklung.
Prognose 2012: Beschäftigung steigt weiter leicht an, aber auch mehr Arbeitslose
Die Konjunktur wird sich international abschwächen. WirtschaftsforscherInnen rechnen mit einem merklich geringeren Wachstum des österreichischen Bruttoinlandsproduktes als 2011. Die Prognosen liegen mittlerweile zwischen 0,4% (WIFO) und 1,2% (AMS/Synthesis).
Die Folgen für den niederösterreichischen Arbeitsmarkt: „Die Zahl der unselbständig Beschäftigten wird zwar weiter steigen, aber nicht mehr so stark wie 2011. Die Arbeitslosigkeit nimmt zu. Unterm Strich rechnen wir mit einer Arbeitslosenquote 2012 von 7,0%, ein Plus von 0,2%-Punkte“, so AMS NÖ Vize-Chefin Marion Carmann.
Die wichtigsten Eckpunkte: