Eine Bilanz des AMS Tirol zur Arbeitsmarktöffnung.
Mit 1. Mai 2011 wurde auch der Tiroler Arbeitsmarkt für Arbeitnehmer aus Polen, Tschechien, Ungarn, Slowenien, Estland, Lettland, Litauen und der Slowakei nach einer siebenjährigen Übergangsphase seit 2004 geöffnet. Die Angst vor einem massiven Ansturm auf den österreichischen und speziell auf den Tiroler Arbeitsmarkt ist „unbegründet“, betonte AMS Tirol Chef Anton Kern damals in Presseaussendungen und Interviews. Jetzt, fast zwei Jahre nach der Liberalisierung, lassen sich auch für Tirol gesicherte Ergebnisse aus den Daten des AMS Tirol ableiten.
Ausgedrückt in Zahlen ist festzustellen, dass im April 2013 am Tiroler Arbeitsmarkt 5.380 Personen aus den neuen EU-2004-Beitrittsländern tätig waren. Verglichen mit April 2011, also einem Monat vor der Öffnung, stellt dies eine Steigerung von 85,5% oder 2.479 Personen dar. Knapp die Hälfte, nämlich 48,9 % oder 2.632 Beschäftigte, stammen aus Ungarn. Zahlenmäßig überrascht kaum, dass der Tourismus die dominante Branche darstellt. So waren 2.391 Personen oder 44,4 % der EU-2004-Beschäftigten in dieser Wirtschaftsklasse tätig.
Das bedeutet – relativ betrachtet – vom April 2011 bis April 2013 im Tourismus einen Zuwachs von +62,8 % und im Bereich der Erbringung sonstiger wirtschaftlichen Dienstleistungen von 408,3 %. Hiervon entfallen im Speziellen auf die Arbeitskräfteüberlasser +933,4 % oder 168 Personen. Auch der Bau stellt mit einer Zunahme auf 433 Beschäftigte (+276,5 % bzw. 318 Personen) eine bedeutende Jobperspektive für die neuen Arbeitskräfte dar. „Einen Verdrängungsprozess zwischen in- und ausländischen Arbeitskräften erkennen wir genauso wenig wie die ExpertInnen vom Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO). Eher werden schlecht qualifizierte ausländische Arbeitskräfte – zum größten Teil Drittstaatsangehörige - von gut qualifizierten Ostkräften ersetzt. Und: Ohne diese Arbeitskräfte aus Osteuropa wäre der Fachkräftemangel im Tourismus noch viel höher“, zieht Mag. Sabine Platzer-Werlberger, stv. Landesgeschäftsführerin des AMS Tirol, ein erstes Resümee.
Bei diesen Betrachtungen ist allerdings zu bedenken, dass es sich um Momentaufnahmen handelt und die eigentlichen Verschiebungen erst über größere Zeiträume deutlicher und exakter interpretierbar werden.
Zur Struktur der Arbeitskräfte aus den neuen 2004 Mitgliedsstaaten, die im Zeitraum Mai 2011 und April 2013 zu irgendeinem Zeitpunkt beschäftigt gemeldet waren, ist zu sagen, dass 53,0 % aus Ungarn stammen, gefolgt von 22,4 % aus der Slowakei und 11,1 % aus Polen, 8,7 % kommen aus Tschechien. Mit 47,6 % sind weniger Frauen als Männer (52,4 %) am Tiroler Arbeitsmarkt tätig. Zu erwarten war auch eine starke Konzentration auf die Altersgruppe zwischen 25 und 45 Jahren. Während 49,4 % aller Beschäftigten Personen in Tirol im Beobachtungszeitraum dieser Altersgruppe angehören, sind es 68,4 % der EU-2004 BürgerInnen.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich der Tiroler Arbeitsmarkt als äußerst robust gegenüber den Effekten der Liberalisierung gezeigt hat. Diese Erkenntnis ist wesentlich, da mit weiteren Öffnungen des gemeinsamen europäischen Arbeitsmarkts zusätzliche Arbeitskräfte Tirol – ab 2014 Bulgaren und Rumänen - als Lebens- und Arbeitsort wählen werden. Auch wenn Tirol geographisch entfernt von neuen Beitrittsstaaten ist, wird auf Grund der speziellen Situation im Tourismus und der guten Netzwerke, die sich inzwischen gebildet haben, auch weiterhin von einem Beschäftigungswachstum auszugehen sein. Effekte auf die Arbeitslosigkeit, aber auch auf die Gesellschaftsstruktur – etwa der Pflege von Personen mit nicht deutscher Muttersprache - werden in Zukunft neue Herausforderungen, nicht nur für den Arbeitsmarkt, darstellen.
Angesichts der dramatischen Bilder aus zahlreichen Tiroler Gemeinden initiiert das AMS Tirol das Sonderprojekt Katastrophen-Kurzarbeit „Hochwasserkatastrophe Juni 2013.“
Im Namen des AMS zeigt sich die stv. Landesgeschäftsführerin des AMS Tirol, Mag. Sabine Platzer-Werlberger "bestürzt über das gigantische Ausmaß der Schäden und des Leids". Sie versichert die Opfer ihres Mitgefühls und das aller MitarbeiterInnen des AMS Tirol und sagt in Form des Sonderprojektes Katastrophen-Kurzarbeit „Hochwasserkatastrophe Juni 2013“ Hilfestellung auch von AMS Tirol-Seite zu.
„Unmittelbar nach den ersten Meldungen über die katastrophalen Ausmaße des Hochwassers haben unsere Geschäftsstellenleiter mit Unternehmen und Gemeinden vor Ort Kontakt aufgenommen und kamen gemeinsam überein, eine Soforthilfe dahingehend einzuleiten, dass wir ab sofort Katastrophen-Kurzarbeit gewähren,“ so Sabine Platzer-Werlberger.
Diese Form der Kurzarbeitsbeihilfe können jene Unternehmen beim AMS Tirol beantragen, die wegen des Hochwassers oder wegen Aufräumarbeiten ihren Betrieb oder auch Teile davon für einen bestimmten Zeitraum schließen müssen. Die ArbeitnehmerInnen der betroffenen Betriebe erhalten statt des regulären Lohns des Arbeitgebers für jede Ausfallsstunde eine Kurzarbeitsunterstützung. Die Höhe der Kurzarbeitshilfe richtet sich nach festgelegten Pauschalsätzen. Grundsätzlich gilt: Es werden die Aufwendungen, die der Arbeitslosenversicherung für Arbeitslosengeld zuzüglich der Sozialversicherung entstehen würden, abgegolten. Das AMS gewährt Katastrophen-Kurzarbeit solange der Betriebsstillstand, der durch das Hochwasser verursacht wurde, anhält.
"Wir ersuchen die betroffenen Betriebe umgehend mit der nächsten AMS-Geschäftsstelle in Tirol Kontakt aufzunehmen", so Sabine Platzer-Werlberger.
Widersprüchliche Signale: Prognostizierte Beschäftigungsentwicklung steigt trotz angespannter Lage weiter. Ältere und langzeitarbeitslose Personen von Arbeitslosigkeitszunahme besonders betroffen. Eintrübungen am Stellenmarkt.
In Tirol kam es im Mai 2013 mit +1.633 oder +7,7 % im Vergleich zum Vorjahresmonat zu einer Steigerung an vorgemerkten arbeitslosen Personen. Gleichzeitig stieg in Österreich die Arbeitslosigkeit um 20.818 Personen oder +9,0 %. „Damit ist auch im Mai eine durchgreifende Erholung am Tiroler Arbeitsmarkt ausgeblieben. Dennoch,“ fasst Mag. Sabine Platzer-Werlberger, stv. Landesgeschäftsführerin des AMS Tirol die aktuellen Entwicklungen auf dem heimischen Arbeitsmarkt zusammen, „bewegt sich Tirol weiter in einer intakten Grundverfassung und entwickelt sich stabil in dem schwierigen konjunkturellen Umfeld.“
Den größten Zuwachs nach Wirtschaftsabschnitten betrachtet gab es im Bereich Beherbergung und Gastronomie (+313 oder +3,4 %), im Abschnitt Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (+264 oder +9,8 %) und im Bereich Herstellung von Waren (+247 oder +18,6 %). Bei Erziehung und Unterricht ging die Arbeitslosigkeit um 77 Personen oder -11,0% zurück.
Nach Altersgruppen betrachtet, ist die Arbeitslosigkeit mit Ausnahme bei den 651 Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren mit einem Rückgang um 5,4% oder -37 Personen, bei allen Altersgruppen gestiegen. Bei den 3.001 arbeitslosen 20- bis 24-Jährigen kommt es zu einem Plus von 6,5 % oder +184. Bei den 14.248 Personen zwischen 25 und 49 Jahren steigt die Arbeitslosigkeit um 6,0 % oder +807 und bei den 5.028 Personen über 50 Jahren ist ein Anstieg von 15,6 % oder +679 Personen festzustellen. Bei den 756 länger als 1 Jahr vorgemerkten Arbeitslosen ist ein Anstieg um 163 Personen oder +27,5 % zu verzeichnen.
Nach Regionen betrachtet ist in Reutte ein Rückgang um 46 Personen oder -6,2 % festzustellen. In allen übrigen Bezirken werden Zuwächse beobachtet. In Kufstein stieg die Zahl der arbeitslos vorgemerkten Personen um 13,7 % oder +294 gefolgt von Innsbruck (+12,9% oder +837), Lienz (+8,4 % oder +158), Schwaz (+8,1 % oder 188), Kitzbühel (+5,3 % oder +84), Landeck (+2,2 % oder +79) und Imst (+1,6 % oder +39).
Im Mai 2013 nahmen 2.348 Personen an Schulungs- und Ausbildungsaktivitäten des AMS Tirol teil, das sind im Vorjahresvergleich um 2 oder +0,1 % mehr.
Es gab bei den 2.332 Stellenzugängen ein Minus von 653 oder -21,9 %. Bei den 3.062 Stellenabgängen ist ebenfalls ein Rückgang um 293 oder -8,7 % zu beobachten. „Die schwache Konjunktur veranlasst Unternehmen dazu, geplante Einstellungen zu verschieben. Viele Firmen klagen über Fachkräftemangel - doch ältere und langzeitarbeitslose Personen haben offenbar immer noch zu wenig Chancen auf dem heimischen Arbeitsmarkt,“ kommentiert Mag. Sabine Platzer-Werlberger.
Die Laufzeit bis zur Besetzung einer freien Stelle beträgt 26 Tage.
Arbeitslosigkeit nach Berufen: Nach ausgewählten Berufsobergruppen ist der markanteste Anstieg bei den Fremdenverkehrsberufen mit +324 oder +3,7 %, Handelsberufen mit +230 oder +11,0 % und bei den Hilfsberufen mit +205 oder +12,4 % feststellbar.
Arbeitslosigkeit nach Altersgruppen: Nach Altersgruppen betrachtet, ist die Arbeitslosigkeit mit Ausnahme bei den 651 Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren mit einem Rückgang um 5,4% oder -37 Personen, bei allen Altersgruppen gestiegen. Bei den 3.001 arbeitslosen 20- bis 24-Jährigen kommt es zu einem Plus von 6,5 % oder +184. Bei den 14.248 Personen zwischen 25 und 49 Jahren steigt die Arbeitslosigkeit um 6,0 % oder +807 und bei den 5.028 Personen über 50 Jahren ist ein Anstieg von 15,6 % oder +679 Personen festzustellen.
Langzeitarbeitslosigkeit: Bei den Langzeitarbeitslosen sind 756 Personen länger als 1 Jahr vorgemerkt, was eine Steigerung um 163 Personen oder +27,5 % im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Die Zahl der 6 Monate und länger Vorgemerkten stieg um 448 Personen oder +21,9 % auf 2.490.
Arbeitslosigkeit nach Geschlecht: Nach geschlechtsspezifischer Betrachtung der vorgemerkten Arbeitslosen kam es sowohl bei den Frauen mit +793 oder +6,9 % auf 12.271, als auch bei den 10.657 Männern mit +840 oder +8,6 % zu einem Anstieg.
Arbeitslosigkeit nach Regionen: Nach Regionen betrachtet ist in Reutte ein Rückgang um 46 Personen oder -6,2 % festzustellen. In allen übrigen Bezirken werden Zuwächse beobachtet. In Kufstein stieg die Zahl der arbeitslos vorgemerkten Personen um 13,7 % oder +294 gefolgt von Innsbruck (+12,9% oder +837), Lienz (+8,4 % oder +158), Schwaz (+8,1 % oder 188), Kitzbühel (+5,3 % oder +84), Landeck (+2,2 % oder +79) und Imst (+1,6 % oder +39).
Arbeitskräftenachfrage: Es gab bei den 2.332 Stellenzugängen ein Minus von 653 oder -21,9 %. Bei den 3.062 Stellenabgängen ist ebenfalls ein Rückgang um 293 oder -8,7 % zu beobachten.
Zugang in die Arbeitslosigkeit: Im Mai 2013 verzeichnet Tirol einen Zugang von 6.268 arbeitslosen Personen, das sind um 450 oder -6,7 % weniger als im Vorjahresvergleich.
Lehrstellenmarkt: Am Lehrstellenmarkt sind die gemeldeten freien Lehrstellen im Vergleich zum Mai 2012 um 117 oder -17,6 % auf 549 gesunken. Die Zahl der 270 Lehrstellensuchenden ist um 15 Personen oder -5,3 % zurückgegangen. Das ergibt eine Lehrstellenandrangsziffer von 0,5.